Die bisherige pädagogische Tätigkeit in Neckarstadt-West
Das Konzept einer Modellschule mit einem interkulturellen und sozial-integrativen Bildungsauftrag beruht auf konkreten Erfahrungen, die bei einer langjährigen pädagogischen Tätigkeit in Neckarstadt-West gesammelt werden konnten.
Der Ausländeranteil liegt in Neckarstadt-West bei 42 % der Bevölkerung (im Jahr 2007), bei den Kindern und Jugendlichen beträchtlich höher.
Etwa 87 % der Einwohner nichtdeutscher Herkunft kommen aus europäischen Ländern: die meisten stammen aus der Türkei, es folgen Italien, Polen, Griechenland und Spanien sowie das ehemalige Jugoslawien mit seinen Nachfolgestaaten.
Eine solche Situation fordert besondere soziale und pädagogische Anstrengungen.
Kindergarten Langstraße
Auf diesem Hintergrund betreibt die Freie Hochschule für anthroposophische Pädagogik seit 25 Jahren einen Kindergarten und Schüler-Hort in der Langstraße 45. Im Kindergarten werden zur Zeit 24 Kinder zwischen 2 und 7 Jahren, im Hort 28 Schulkinder betreut.
Die Kinder kommen nicht nur aus Neckarstadt-West, sondern auch aus Neckarstadt-Ost, Waldhof, Schönau, Neckarau, Käfertal, Stadtmitte, Asylbewerberheim/Industriegebiet; das Kommen und Gehen wird durch einen Fahrdienst geregelt. Die Elternschaft setzt sich aus verschiedenen Schichten zusammen; neben Berufstätigen gibt es Arbeitslose, Asylanten und Sozialhilfeempfänger.
Die Schulkinder besuchen die 1. bis 6. Klasse der umliegenden Grund- und Hauptschulen; gefördert werden auch Berufsschüler, Realschüler und Gymnasiasten (bis zur 10. Klasse). Die Arbeit verhilft zur besseren individuellen Entwicklung der Kinder. Sie enthält folgende Schwerpunkte:
Ideelle und methodische Grundlage der Tätigkeit im Kindergarten und in der Betreuung im Hort ist das Konzept der Waldorfpädagogik. In der praktischen Arbeit hat sich dieser Ansatz vor allem deswegen bewährt, weil er von einem umfassenden Lernkonzept ausgeht, das nicht nur die kognitiven, sondern auch die emotionalen und initiativen Fähigkeiten auszubilden sucht. Entscheidende Elemente dabei sind eine intensive Sinnesschulung, gezielte Sprachförderung und künstlerisch-handwerkliche Tätigkeiten, die Gestaltung der Jahresfeste und Freizeitaktivitäten wie Ausflüge, Konzert- und Theaterbesuche sowie mehrwöchige Freizeiten für Kindergartenkinder und Schüler.
Auf diese Weise konnten auch Kinder, die aufgrund besonderer Lernschwierigkeiten von den Lehrern der umliegenden Schulen für die Schülerbetreuung empfohlen wurden, so gefördert werden, dass sie nicht auf Sonderschulen wechseln mussten.
Teil des Konzepts ist die Zusammenarbeit mit Studentinnen und Studenten der Freien Hoch- schule für anthroposophische Pädagogik, welche einmal wöchentlich Einzelschüler oder Schülergruppen betreuen - eine Tätigkeit, die im Gespräch mit Dozentinnen und Dozenten pädagogisch reflektiert wird.
Gründung einer Waldorfschule
Die bisherigen Erfahrungen haben gezeigt, dass die Methode der Waldorfpädagogik sich gerade für einen interkulturell und sozial-integrativ orientierten Ansatz als ausgesprochen fruchtbar erwiesen hat. Sicher aber wäre eine noch intensivere Förderung der Kinder zu erreichen, wenn der gesamte Schulunterricht von dieser Methode durchzogen sein könnte. Von daher erschien die Gründung einer Waldorfschule als eine sinnvolle Perspektive für eine qualitative Verbesserung der Bildungschancen in Neckarstadt-West. Sie ist für die umliegenden Schulen weniger eine Konkurrenz als eine notwendige Ergänzung, gibt es doch schon jetzt eine Reihe von Kindern, die aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse und spezifischer Lernbehinderungen in die bestehenden Klassen kaum einzubinden sind.