Waldorfschulen arbeiten weltweit mit einer konsequenten Pädagogik der Förderung statt der Auslese. Es handelt sich um eine ganzheitliche Pädagogik, die, statt rein kognitiver Wissensvermittlung, als zentrale Aufgabe die Förderung der im Kinde veranlagten individuellen Kräfte in den Bereichen des Lernens, der Kreativität und der Persönlichkeitsbildung sieht.
Die Waldorfschule ist eine Gesamtschule, in der die Kinder in Jahrgangsklassen geführt werden; die Tatsache, dass es kein „Sitzenbleiben“ gibt und die Klassen im sogenannten Hauptunterricht, einem täglichen Unterrichtsblock von etwa 2 Stunden, von einer Klassenlehrerin oder einem Klassenlehrer unterrichtet werden, ermöglicht ein kompensatorisches Lernen, ohne dass die soziale Stütze der Klassengemeinschaft verloren geht.
Waldorfschule bedeutet: Lernen ohne Angst und keine Ausgliederung in andere Schultypen, Sinnesschulung und künstlerische Unterrichtsgestaltung, fremdsprachlicher Unterricht ab der 1. Klasse und handlungsorientiertes, praktisches Lernen, orientiert an der Entwicklung des Kindes.
Die Betonung vor-kognitiver Elemente (Sinnesschulung, rhythmische Übungen, Bewegungsspiel), die große Bedeutung des Künstlerischen in Methode und Unterrichts-inhalten sowie die frühe Veranlagung handwerklicher Fertigkeiten ermöglichen die Integration von Schülern, die weniger intellektuell als künstlerisch-praktisch begabt sind. Darüber hinaus stellt die Schulung in mindestens einem handwerklichen Bereich (in den mittleren Klassen) eine gute Ausgangssituation für den Übergang in den Beruf her.
Der Pflege der deutschen Sprache und der Sprecherziehung wird vom 1. Schuljahr an besondere Aufmerksamkeit zugewandt. Der Unterricht beginnt nach dem Sprechen eines „Morgenspruchs“ mit dem „rhythmischen Teil“, in dem sprachliche Übungen sich mit Gedichtrezitationen und mit musikalischen Übungen abwechseln. Es folgt dann die Behandlung des anstehenden Faches: Rechnen, Schreiben u.a. in Epochen von etwa 4 Wochen.
Am Ende jeder Hauptunterrichtsstunde steht der „Erzählteil“, in dem in künstlerisch gestalteter Sprache Märchen, Legenden oder, je nach Altersstufe, andere Erzählstoffe vorgetragen werden. Auf diese Weise können sich die Kinder über das unmittelbare Erleben mit der Sprache verbinden, bevor die grammatikalischen Strukturen behandelt werden. Auch die regelmäßig stattfindende Theaterarbeit schult das Sprachgefühl und -vermögen.
Die Unter- und Mittelstufe 1. - 8. Schuljahr)
Rhythmus mit Wiederholungen und Variationen kann seine lernfördernde Wirkung besonders dann entfalten, wenn die Lebensbedingungen des Kindes beständig sind. Daher begleiten Waldorfklassenlehrerinnen und -lehrer eine Klasse in der Regel acht Jahre lang; dabei unterrichten sie im sogenannten Hauptunterricht (täglich von 8 bis 10 Uhr) folgende Fächer epochenweise: Schreiben, Lesen, Rechnen, Heimatkunde und Erdkunde, Menschen-, Pflanzen- und Tierkunde, Deutsch, Geschichte, Mathematik und Geometrie, Biologie, Physik und Chemie; Malen und Zeichnen, Singen und Flöten sind, besonders in der Unterstufe, in den Unterricht integriert.
Nach dem Epochenunterricht in den ersten beiden Stunden des Vormittags folgen in Einzelstunden die Fächer, an denen durchgehend gearbeitet und geübt wird: von der 1. Klasse an betrifft das den Sprachunterricht (mindestens die Fremdsprache Englisch sowie die jeweilige Muttersprache); dazu kommen Musik, Eurythmie, Turnen und Religion. Werken, Gartenbau und Handarbeit werden in Doppelstunden ein- oder zweimal in der Woche unterrichtet.
Die Oberstufe ( 9. - 13. Schuljahr)
Was in den unteren Klassen in allen Fächern bildhaft angelegt worden ist, greifen die Oberstufenlehrer, die den Klassenlehrer im Epochenunterricht ablösen, in einer neuen begrifflichen und wissenschaftlichen Art auf.
In der 7. Klasse wird für die ganze Klasse ein Forstpraktikum angeboten Hier werden die Schülerinnen und Schüler zum ersten Mal an eine reguläre Arbeitssituation herangeführt. Sie lernen, im Team zu arbeiten und erleben die ökologischen Aufgaben der Forstwirtschaft in der Praxis. Dabei dürfen die Schüler kräftig mitanpacken: Mit Sägen, Kneifzangen und Spaten ausgerüstet geht es morgens in den Wald. Dort werden alte Zäune abgebaut, Gräben frei geräumt, kleine Bäume gesägt oder Kulturen gepflegt. Erfahrene Fortstwirte geben den Jugendlichen Tipps bei der praktischen Arbeit und können zudem noch manches zum Wald und seinen Bewohnern erzählen.
In der achten Klasse wird ein größeres Theaterstück von A bis Z eingeübt: Texte werden angepasst und neu geschrieben, Kulissen werden gebaut, Kostüme genäht die Licht- und Tontechnik bereitgestellt. Am Schluß der Bemühungen stehen eine oder mehrere Aufführungen vor Publikum.
Außerdem wird in der 8.Klasse von jedem Schüler eine Jahresarbeit angefertigt.
Weiterhin soll in der 9. Klasse ein Landwirtschaftspraktikum und in der 12.Klasse ein Sozialpraktikum stattfinden.
Als Abschlüsse werden in der 10. Klasse der Hauptschulabschluss, in der 12. Klasse der Realschulabschluss und die Fachhochschulreife und in der 13. Klasse das Abitur angeboten. Durch diese differenzierte Angebot ist die Möglichkeit gegeben, dass jeder nach seinen individuellen Möglichkeiten den Weg in das Berufsleben findet.